IMG_20151016_200937.jpgUnser kleiner Honda Jazz 1.2 i-vtec wurde kürzlich drei Jahre alt. Das Auto fährt sich bei Bedarf sportlich (i-vtec steht für aktive Ventilsteuerung mittels Verstellung der Nockenwelle, allerdings erst im oberen Drehzahlbereich) und hat im Normalbetrieb einen geringen Verbrauch. Da der Kofferraum auch für eine etwaige Familienvergrößerung ausreichend dimensioniert ist, fiel unlängst die Entscheidung das Auto längerfristig zu behalten.

Damit gab ich mir selbst das GO: Jetzt darf ich Hand anlegen!

Das Autoradio war mir schon lange ein Dorn im Auge, mir schwebt ein Doppel-DIN Radio vor, idealerweise direkt ein Android-Device oder aber ein Radio welches eine hohe Integration der Android-Smartphones des Haushaltes ermöglichen würde. Eine neue Blende mit Doppel-DIN-Schacht wurde bei Ebay (Beispiel) gefunden, nur die Wahl des Radios war nicht so einfach. Mein Favorit ist immer noch das Parrot Asteroid, ein Android Radio aus dem Hause Parrot. Daher mit einer 1A-Freisprecheinrichtung ausgerüstet, auf Android basierend und damit über das Einstellungsmenü hinaus anpassbar. Es bietet die für das Auto benötigten Apps: Waze (Navigation) und Spotify (Musik). Viel mehr benötige ich ehrlicherweise im Auto nicht, ansonsten könnten viele weitere Apps installiert werden. Also an sich eine sehr gute Wahl, wäre da nicht der Preis. Dieser nimmt mir vorerst den Wind aus den Segeln.

Was also konnte ich sonst noch tun? Tiefer? Breiter? Naja, dafür ist er nun nicht sportlich genug und eben nur ein Daily-Car.

Es fiel mir aber noch etwas anderes ein, dass der Honda, gerade als Daily-Car, dringend benötigen könnte: Eine Standheizung!

Einbau einer Standheizung in einen Honda Jazz

Ob man so etwas wirklich benötigt sei dahin gestellt, hier gehen die Meinungen weit auseinander, wer aber mal eine besessen hat will diesen Luxus nicht mehr missen. Tja, ich habe mir diesen Spaß einmal für meinen Jetta gegönnt, der die Standheizung (Webasto Thermo Top Evo 4) im Moment und auch in Zukunft nicht mehr benötigt (Siehe aktueller Stand der Restauration). Damit war die Entscheidung einfach, bau ich das Ding einfach in den Honda, liegt ja sonst nur rum.

Gesagt getan, also Auto aufgebockt und abgetaucht. Das Problem, dass sich gerade bei neuen Autos in dieser Sache ergibt: Der Motorraum ist voll! So auch beim Honda. Öffnet man die Motorhaube sieht man wenige freie Stellen, geschweige denn ausreichend große Stellen für eine Standheizung. Nach längerem Suchen habe ich dann aber doch eine Stelle ausgemacht, diese befindet sich zwischen Kühler und Getriebe auf der Fahrerseite. Hier gab es am Längsträger zwei ungenutzte M10-Gewinde und mehrere Lochbohrungen im Querträger unter dem Kühler. Es wurde also Maß genommen und eine Halterung aus 3mm Stahlblech geschweißt, angepasst, grundiert und lackiert. Sitzt bombenfest!

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Zweite schwierige Baustelle ist oft die Entnahme des Treibstoffs. Da der Honda über eine Vorförderpumpe direkt im Tank verfügt, war eine Entnahme aus der Benzinleitung nicht möglich (der hohe Druck würde im normalen Betrieb Nonstop Treibstoff in die Standheizung drücken). Also musste ein Tankentnehmer her. Da für den Anschluss des Wasserkreislaufes ebenfalls noch Teile benötigt wurden, gab es eine größere Bestellung bei standheizen.de.

Bis die Teile eintreffen (wahrscheinlich kommende Woche) wurde die Zeit schon einmal genutzt und die Anlage soweit möglich eingebaut. Die elektrischen Leitungen und der Benzinschlauch wurden verlegt, die Benzinpumpe wurde montiert und auch das Frischluftsystem konnte bereits komplettiert werden. Für letzteres fand sich doch genau an der richtigen Stelle eine geeignete Bohrung zur Aufnahme der Plastikhalterung des Filters. Glück muss man haben!

Die elektrischen Leitungen werde ich höchstwahrscheinlich noch kürzen, da im Honda nur kurze Abstände zwischen den einzelnen elektrischen Teilen liegen und es mit den langen Kabel noch nicht wirklich aufgeräumt wirkt (siehe obere Bildergruppe, unten rechts).

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Im rechten Bild der oberen Reihe sieht man den elektrischen Anschluss des Lüfters. Nach dem Entfernen des Handschuhfachs (erst die Blende im Fußraum lösen, diese ist geclipst, dann Schrauben lösen) kommt man sehr gut an den Stecker ran und kann ihn umlöten (das weiße, dicke Kabel ist das gesuchte!). Die Kabel für die Lüftersteuerung und das Bedienteil der Standheizung werden vom Motorraum aus mit der Benzinleitung verlegt. Anschließend gelangen sie über den Zugangs-Deckel der Benzinpumpe (zwischen dem Fahrer- und Beifahrersitz gelegen) in den Fahrgastraum (Bilder folgen, hier will ich noch einen lösbare Steckverbindung realisieren!).

Eine weitere Baustelle ist die Abgasanlage. Hierfür benötige ich einen zusätzlichen Halter der direkt an den Halter der Standheizung angeschraubt wird. Leider konnte ich das im Planungsstadium noch nicht abschätzen, sonst hätte man die Halter kombinieren können. Nun wird der Halter mit einer der Befestigungsschrauben der Standheizung am Halter befestigt und trägt damit den Endschalldämpfer (siehe Bild).

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Der Schalldämpfer befindet sich in dieser Position ausreichend weit von der Anlage entfernt (20cm Schlauchlänge müssen es mindestens sein!) und es gibt unterhalb des Auslasses eine Öffnung der Unterbodenverschalung. Die in der Nähe befindlichen Plastikverkleidungen werden zur Sicherheit mit Hitzeschutzfolie beklebt. Bilder in eingebautem Zustand folgen!

Sobald die fehlenden Teile eintreffen werde ich die Anlage komplettieren und anschließend diesen Artikel aktualisieren und noch das ein oder andere Bild einfügen. Stay tuned!

1.Update

Nachdem die Elektronik vervollständigt wurde, konnte ein erster Komponententest durchgeführt werden, Hierzu verwende ich die Webasto Software Thermo Test in Version 2.15. Als Verbindungskabel nutze ich einen USB-Adapter, die genauen Daten reiche ich nach.

Die Kabel wurden ohne Steckverbindung in den Innenraum geführt. Sie wurden mit Kabeln gleichen Querschnitts oder größer um ca. 0,7m verlängert, damit sie bis zur Mittelkonsole reichen. Durch den Tankdeckel laufen die Kabel durch dieselbe Gummidichtung wie die vorhandenen Kabel der Benzinpumpe.  Sie sind ausreichend lang, dass der Deckel entfernt werden kann und der Zugriff auf die Pumpeneinheit möglich ist.

Die Tests liefen gut, alle Komponenten sind lauffähig, am Wochenende bohre ich den Tank an, dann sollte die Anlage funktionieren.

Thermo Test

2.Update

Auch der Abgasstrang konnte nun komplettiert werden, wie auf den Bildern zu sehen, geht es auch hier etwas enger zur Sache. Mit Hilfe des gekauften Krümmers bekomme ich die Abgasleitung ohne Probleme an der Querstütze der gebauten Halterung vorbei. An den Krümmer schließen sich dann die geforderten 20cm Schlauch an bevor dieser im Schalldämpfer endet. Der Schalldämpfer wurde mit Hilfe eines handelsüblichen Winkels am Halter der Standheizung befestigt (bei Gelegenheit wird er auch lackiert werden). Vom Schalldämpfer führt dann ein ca. 15cm langes Schlauchstück im gemäßigten Bogen durch die Unterbodenverkleidung. Für die Durchführung wurde einer der mitgelieferten Abstandshalter genutzt, der hierfür gerade NICHT genutzt werden soll. Die Lamellen des den Abstandhalter umgebenden Gummis sind dafür da, ein Luftpolster zwischen Schlauch und Wand zu gewährleisten in dem die Hitze abgeführt werden kann. Nutzt man die Lamellen um den Halter in die Unterbodenverkleidung zu klemmen, geht das Luftpolster verloren und das Plastik kann sich stark erhitzen. Daher habe führe ich die auf der Oberseite der Unterbodenverkleidung angebrachte Hitzefolie durch das Loch hindurch und stecke dann erst den Abstandhalter in die verbleiben Bohrung. So wird der Kunststoff um die Bohrung herum geschützt.

Die Hitzefolie (nichts anderes als Glasfasermatte mit dünner Aluschicht auf der Oberseite) wurde unterhalb des Schalldämpfers und des Abgasschlauchs auf der Unterbodenverkleidung angebracht und an der inneren Kunststoffverkleidung des Kotflügels. Diese hat ca. 30mm Abstand zur Standheizung (laut Webasto-Anleitung ausreichend (20mm)) aber sicher ist sicher. Im Folgenden noch ein paar Bilder zur Illustration.

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3.Update

Auch der Wasseranschluss konnte erfolgen, nachdem ich die hierfür benötigten Verbinder (15/18 mm) erstanden hatte. Bedingt durch den Einbauort links vorne, wäre eine Einbindung in den Zulauf des Wärmetauschers sehr schwierig geworden. Daher habe ich mich dazu entschieden (wie in meinem Jetta damals auch) die Standheizung in den Ablauf des Wärmetauschers zu integrieren. Die benötigten Schläuche waren sehr kurz, da die Standheizung genau unterhalb des Sammelpunktes des Wasserkreisluafes verbaut ist. In den folgenden Bildern sieht man die Anschlüsse. Im linken Bild ist der Ablauf der Standheizung zu sehen der im Zulauf der Wasserpumpe des Motors endet. Das erhitzte Wasser strömt also von der Standheizung zuerst durch den Motor und anschließend durch den Wärmetauscher. Im rechten Bild ist der Zulauf der Wasserpumpe zu sehen, der mit dem Ablauf des Wärmetauscher verbunden ist.

Beim Anschluss der Schläuche geht es recht beengt zu, es sollte auch darauf geachtet werden, dass möglichst wenig Kühlflüssigkeit entweicht, das erspart das Auffangen und Nachfüllen.

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4.Update

Den Einbau des Tankentnehmers habe ich leider fotografisch nicht festgehalten, versuche es aber textlich einmal zu beschreiben. Der Tankentnehmer wird direkt in den Behälter der Benzinpumpe mit eingebaut. Hierzu muss die Benzinpumpe nebst Gehäuse ausgebaut werden.

Achtung: Die Benzinleitung steht unter Druck! Beim Lösen der Benzinleitung kommt es zu Spritzern!

Mit einem stumpfen Meißel und einem Hammer kann man den Schraubring entfernen, bei mir waren zweieinhalb Umdrehungen notwendig. Unbedingt vorher die Startposition markieren, wenn nicht bereits werkseitig geschehen!

Ebenso wichtig: Tank sollte möglichst leer sein, sonst gibt es eine Sauerei im Innenraum!

Sobald der Ring ab ist, oder auch schon früher, ploppt einem die Pumpeneinheit entgegen. Diese steht auf Federn, um sich den durch Druck und Unterdruck hervorgerufenen Volumenänderungen des Tanks anpassen zu können. An der einen Seite der Pumpeneinheit ist der Tankgeber nebst Schwimmer angebracht, daher muss die gesamte Einheit vorsichtig herausmanövriert werden.

Nun hat man die Einheit draußen und sollte sich beeilen. Die Bohrung für den Tankentnehmer haben wir links neben des Hauptentnahmerohres angesetzt. Fährt man mit dem Finger über den Deckel, fühlt man an dieser Stelle einen kleinen Hubbel. Von unten betrachtet ist die Stelle von Versteifungen frei, von denen sich drei aber in unmittelbarer Nähe befinden und um die Bohrstelle ein Dreieck bilden. Bohrt man nun an dieser Stelle das geforderte Loch (6mm bei mir, das mag variieren!, Original Webasto bei mir!) und steckt den Entnehmer durch, wird dieser von unten mit einer selbstsichernden Mutter befestigt. Diese liegt auf den angesprochenen, senkrechten Versteifungen auf und lässt sich gut anziehen. Für die Dichtigkeit sorgt ein O-Ring am oberen Gegenstück des Tankentnehmers.

Ist alles festgezogen, wandert die Pumpeneinheit wieder in den Tank zurück. Die Dichtung sollte zuerst in den Tank eingesetzt werden und anschließend wird die Pumpe eingesetzt. Bei älteren Autos und damit älterer Pumpe, sollte man überlegen, diese zu wechseln.

Nach dem Anschluss aller Leitungen kann der Entnehmer mit der Standheizung verbunden werden. Um den ersten Start zu erleichtern, kann die Leitung, mit Hilfe der oben angesprochen Software, entlüftet werden.

5.Update

Die Benzinpumpe wurde verlegt, sie ist nun hinter dem Hitzeblech, direkt vor dem Tank befestigt.

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6.Update, das Letzte!

Nachdem alle Komponenten verbaut sind, konnte der erste Testlauf starten. Mit Hilfe der Webasto Software wurden vorher alle Komponenten einzeln angesprochen, die Benzinleitung gefüllt und anschließend der erste Start (in diesem Auto) initiiert. Sie lief sofort!

Nach wenigen Minuten unterbrach ich den ersten Testlauf (das Auto stand noch in der Werkstatt, Vergiftungsgefahr!) und ergänzte das System um ein weiteres Gimmick: Webasto Thermo Call TC4 Advanced.

Um was handelt es sich dabei? Geliefert wird ein kleiner, schwarzer Kasten. In diesem steckt ein GSM-Modul welches über eine separate SIM-Karte (idealerweise Prepaidkarte) SMS empfangen und senden kann. Das Gerät ist über den WBUS (Webasto BUS) mit der Standheizung verbunden und bekommt so verschiedene Daten (Temperatur, Heizung An/Aus, Bordspannung, …) und kann Befehle geben.

Das Modul selber habe ich hinter der Mittelkonsole verbaut, die für den Betrieb benötigte GSM-Antenne wurde seitlich zur kleinen Scheibe hin in der A-Säule verlegt.

Nach dem Einstecken des Moduls (SIM Karte muss schon darin sein!) dauert es wenige Minuten bis das Modul über seinen LED-Schalter die Einsatzbereitschaft anzeigt. Mit Hilfe einfacher SMS-Befehle kann nun die Anlage aus der Ferne gestartet werden, und mit Ferne ist hier wahre Ferne gemeint und nicht die 1000m der normalen Fernbedienungen.

Alternativ kann auch eine App auf dem Smartphone genutzt werden. Hier werden die Befehle über eine grafische Ansicht gewählt, die von der App dann in die entsprechenden SMS-Befehle umgesetzt werden.

Nachdem das System funktionierte, bugsierte ich das Auto ins Freie und startete die Anlage über die App. Sie startete sofort!

Nach ca. 20 Minuten Betrieb öffnete ich die Motorhaube und schnupperte ein wenig, außer heißem Lack (Von der Halterung) konnte ich aber nichts Verdächtiges (“Angeschmortes Kunststoff”-Geruch) feststellen. Ich werde die Anlage die nächsten Starts im Auge behalten und ab und an mal nachsehen, nur um sicher zu gehen.

FAZIT

Die wohlige Wärme ist sensationell und das lästige Kratzen konnte ich mir auch schon einmal ersparen. Solltet ihr ebenfalls nach einer Standheizung für einen Honda Jazz suchen, würde ich euch den Einbau in einer Honda-Werkstatt empfehlen. Hier wird eine Anlage von Eberspächer verbaut (die nehmen sich gegenseitig aber nichts) für die es eine von Eberspächer freigegebene Einbauanleitung gibt. Der Einbau nebst Gerät wird meist mit ca. 1.800€ verbucht.

Solltet ihr aber bereits eine Webasto-Anlage besitzen, so kann natürlich auch diese verbaut werden. Wenn ihr es selbst macht, bleibt ihr im Schadensfall (Autobrand) allerdings auf dem Schaden sitzen! Im Zweifelsfall also lieber eine Werkstatt suchen, die den Einbau für euch durchführt!

Honda Jazz – Das Daily-Car wird gepimpt – Update

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